Kleinkinder & iPad – kann der frühe Zugang in die digitale Welt die Entwicklung stören?

Das iPad ist kinderleicht zu bedienen. So leicht, dass schon sehr kleine Kinder damit umgehen können. Komplizierte Hindernisse wie Maus und Tastatur sind passé. ‚Tatschen‘ und Sliden reicht aus um eine App zu starten oder lustige Animationen oder Töne abzuspielen. Schon macht die Kuh ‚muh‘ oder das Auto fährt im Kreis. Ein Spaß der aber gleichzeitig neue Fragen aufwirft. Stört dies die Entwicklung? Oder können Kinder mit dem iPad sogar etwas lernen? … Fragen, mit denen man sich auseinandersetzen sollte, bevor man seinem Kind ein Tablett in die Hand drückt.

Hierzu habe ich vor kurzem einen sehr lesenswerten Artikel im Spiegel 19/2011 gefunden. Da Fragestellungen wie diese nicht unrelevant sind und eine schöne Ergänzung zu den hier präsentierten Apps sind, möchte ich hier ein paar Überlegungen aus dem Artikel weitergeben.

‚Die Kinder lernen eigentlich gerade erst, Klötzchen aufzutürmen und wieder umzuwerfen; sie erkunden die Welt mit ihren Ursachen und Wirkungen. Geraten sie da nicht durcheinander, wenn in der Bildschirmwelt immer wieder ganz andere Regeln gelten als im wirklichen Leben? Kann der frühe Zugang in die digitale Welt ihre kognitive Entwicklung stören?‘ thematisiert der aufschlussreicher Artikel ‚Das Patschpäd‘ im Spiegel 19/2011.

Das Wichtigste (und auch Selbstverständlichste) ist es, Kindern ein möglichst umfassendes Sammeln von Erfahrungen in der realen Welt zu ermöglichen. Ist dies der Fall so ist, laut den meisten Experten, ein Medienkonsum in Maßen unbedenklich.

Für uns bedeutet das: ein bisschen Spaß darf sein! Ich glaube nicht, dass wir großen Schaden anrichten, wenn unser kleiner Linus hin und wieder ein paar Tieren virtuell das Licht abdrehen oder Katzen und Bären füttern darf. Den Großteil der Woche verbringen wir doch im Park, am Spielplatz, in der Kindergruppe oder wir spielen und lesen daheim. Die Dosis macht das Gift.

Dass am iPad andere Gesetzte gelten und sich Mechanismen vom realen Leben unterscheiden ist kein Drama. Was lernt ein Kind daraus? „Dass es sich hier eben so verhält und dort wieder anders. Kinder finden schnell heraus, dass je nach Kontext verschiedene Regeln gelten können. Sie sind ja auch imstande, eine zweite Sprache zu lernen.“ sagt Moritz Daum, Psychologe am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (Spiegel 19/2011)

Das iPad ist kein Teufelszeug aber auch nicht das ‚Lernspielzeug‘ als das es wiederum von vielen App-Produzenten angepriesen wird – oder als das wir es, um den Gebrauch zu rechtfertigen, gerne sehen möchten. Der Gebrauch von iPad & Co richtet keinen Schaden an – bietet aber für noch kleine Kinder auch keinen echten Nutzen. Es ist ein Unterhaltungsmedium. Nur beschränkte Erfahrungen können vermittelt werden. Das sollte man sich vor Augen halten. Für größere Kinder sieht die Sache anders aus.

‚Sie tippen irgendwo hin, und wenn sie richtig getroffen haben, gibt es Effekte zum Lohn.  „Das sind recht arme Erfahrungen, verglichen damit, wie Kinder sonst lernen“, sagt Gabriele Haug-Schnabel, Leiterin der Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen im badischen Kandern. In der Dingwelt finden Kinder Steine und Stöckchen vor, die je nach Beschaffenheit zu allem Möglichen taugen; Schachteln, die sich vielleicht ineinanderstecken lassen; Topfdeckel zum Krachmachen – die sich aber auch, nach etlichem Probieren, als Schaufel im Sandkasten oder als Schild im Ritterspiel eignen. „Diese Aha-Erlebnisse, mit denen Kinder ihr Weltwissen erweitern, fehlen am Computer“, sagt Haug-Schnabel. „Da lässt sich nur nachvollziehen, was der Programmierer vorgegeben hat. Die Kinder können nicht abschweifen und ihre eigenen Forschungspläne entwickeln.“‚ (Spiegel 19/2011)

Hier gibt’s den ganzen spannenden Artikel „Lernforschung / Das Patschpäd“, Spiegel 19/2011